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Schovkva

Schowkwa – Stadt des Handwerkes und Kunstgewerbes

Schowkwa ist eine Stadt mit etwa 13.000 Einwohnern im Lwiwer Gebiet und befindet sich nördlich der Bezirkshauptstadt Lemberg.

Im 17. Jahrhundert war die Stadt eine Residenz des polnischen Königs Johann III. Sobieski  und kam 1772 unter österreichische Herrschaft. Von 1850 bis 1918 war sie auch Sitz einer Bezirkshauptmannschaft, von 1854 bis 1876 auch Sitz einer Kreisverwaltung in Galizien.


Im Jahre 1951, in der Sowjetunion, wurde die Stadt nach Pjotr Nikolajewitsch Nesterov benannt, einem Kunst- und Kampfflieger aus dem Ersten Weltkrieg, der nahe der Stadt bei dem vermutlich ersten Rammmanöver der Luftkriegsgeschichte ums Leben kam. Erst 1992 kehrte man zum alten ukrainischen Namen Schowkwa zurück, der von einem Großgrundbesitzer aus dem 17. Jahrhundert stammt. Dieser polnische Adlige, "Stanislaw Zolkiewski", baute 1594 in einer bereits seit dem 14. Jahrhundert bestehenden Siedlung eine Befestigungsanlage und ein Schloss. Der Ort wurde in nur wenigen Jahren vergrößert und umgestaltet.

Schowkwa ist seit Jahrhunderten als Stadt des Handwerkes und des Kunstgewerbes bekannt. Töpfer, Glasbläser, Goldschmiede und Handweber waren hier ansässig. Dadurch gab es einen gewissen Wohlstand, der sich auch jetzt noch an den vielen schönen Gebäuden ablesen lässt. Die Stadt besitzt eine Vielzahl von historischen Bauten. Am Marktplatz finden sich zweistöckige Häuser aus dem 17. Jahrhundert mit breiten Arkaden, wie sie für Handelsstädte in Galizien üblich waren.

Seit 1593 existierte in der Stadt eine jüdische Gemeinde. 1931 waren etwa 4.400 Einwohner jüdischen Glaubens. Am 18. September 1939 wurde die Stadt zunächst von der deutschen Wehrmacht besetzt, die jedoch bereits am 23. September von den Sowjets abgelöst wurde. Bis zum Juni 1941 gehörte die Stadt zur Ukrainischen Sowjetrepublik. Nach Beginn des deutschen Krieges gegen Sowjetunion wurde Schowkwa am 28. Juni 1941 erneut von den Deutschen besetzt. Die Synagoge wurde bereits am folgenden Tag in Brand gesteckt. Die erste Deportation von 700 alten und kranken Juden ins Vernichtungslager Belsec fand im März 1942 statt. Nur Arbeitsfähige wurden vorerst verschont. Eine zweite Deportation von 2.000 Menschen nach Belzec fand am 22. November 1942 statt. Am 1. Dezember 1942 wurden die verbliebenen Juden der Stadt sowie aus umliegenden Ortschaften in einem Ghetto interniert. Ab dem 25. März 1943 wurde das Ghetto aufgelöst. Die Stadt sollte endgültig für "judenrein" erklärt werden. Zu diesem Zweck wurden die Ghetto-Insassen in den Burk-Wald nahe der Stadt gebracht und dort erschossen. Nur 170 Juden wurden in das Zwangsarbeitslager Lemberg-Janowska bei Lemberg deportiert, etwa 60 weitere wurden noch bis Juli 1943 in einem Arbeitslager in der Stadt eingesperrt, bis auch sie im Burk-Wald ermordet wurden. Als die Stadt am 24. Juli 1944 von der Roten Armee befreit wurde, hatten nur 70 jüdische Einwohner überlebt.

Zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt gehören vor allem der große Marktplatz mit Renaissance-Schloss und der Laurentiakathedrale und auch die Große Synagoge im Stil der Spätrenaissance, 1692-1700 erbaut, wurde 1941 von den deutschen Besatzern schwer beschädigt und befindet sich trotz Restaurierungsversuchen in der Nachkriegszeit heute in prekärem Zustand.