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Geschichte

Nach skythischer und griechischer Besiedlung (8-7.Jh. v.CH.) ließen sich seit dem 3. Jh. v. Ch.  Sarmaten in der Ukraine nieder. Im 9.Jh. entstand am mittleren Dnjepr, einem Kerngebiet ostslawischer Stämme, das Kiewer Reich (Kiewer Rus). Nach dessen Zerfall im 12.Jh. bildeten sich mehrere Fürstentümer (v.a. Galitsch-Wolynien), die 1239-1240 unter die Herrschaft der Goldenen Horde gerieten.

13.-16. Jh.: Das Territorium der heutigen Ukraine ist vorwiegend von Polen und Litauen beherrscht. 1349 besetzt Kazimierz III. von Polen die Gebiete zwischen Lemberg und Brest. Ende des Fürstentums Galizien-Wolhynien.

Im 14. Jh. kamen Galizien und ein Teil West-Wolhyniens an Polen, an Litauen fielen Podolien, Kiew und ein Teil Wolhyniens. Das um 1450 in der Süd-Ukraine entstandene Krimkhanat unternahm im 15./16. Jh. verheerende Raubzüge in den Südwesten des Landes. Durch die Lubliner  (Zusammenschluss Litauens mit Polen) gelangte die Ukraine 1569 weitgehend unter polnische Herrschaft.

17. Jh.: Das Land konnte sich von der polnischen Herrschaft befreien und vereinigte sich mit Russland. 1772  gerät Galizien unter österreichische Herrschaft.

1596 gingen in Brest-Litowsk Teile der orthodoxen ukrainischen Kirche eine Kirchenunion mit der katholischen Kirche ein. Träger des Widerstandes gegen die polnischen Magnaten waren die Saporoger Kosaken. Im 16./17. Jh. kämpften die Kosaken um die nationale Unabhängigkeit. Entstehung des Saporoger Kosakenstaates auf der Insel Chortizja im Dnjepr, die nach einem Aufstand unter Hetman Chmelnyzkyj 1648 einen selbstständigen Staat („Hetmanstaat“) bildeten, der sich aber 1654 unter den Schutz des russischen Zaren stellte. Im daraus folgenden Russisch-Polnischen Krieg (1654-1667) verlor Polen die ukrainischen Gebiete östlich des Dnjepr. Während des Nord-Krieges (1700-1721) versuchte der Kosakenhetman Masepa 1709 vergeblich, die Ukraine mit schwedischer Hilfe von Russland zu lösen. Danach Beseitigung der Autonomie der Kosaken (1764 Aufhebung des Hetmanats, 1775 der Saporoger Sitsch, Zentrum der Saporoger Kosaken unterhalb der Dnjepr-Stromschnellen).

Durch die polnischen Teilungen (1772-1795) konnte sich  das Land von der polnischen Herrschaft befreien und vereinigte sich mit Russland. 1772 gerieten Galizien und Bukowina unter österreichische Herrschaft. Die von Russland betriebene Russifizierungspolitik wurde bis in die 2. Hälfte des 19.Jahrhunderts fortgeführt (1863-1905 Druckverbot für Bücher in Ukrainisch). In der österreichischen „Westukraine“ wurde dagegen Ukrainisch als Gegengewicht zum Polentum gefördert.

Die nach der russischen Februarrevolution 1917 gebildete bürgerliche Zentralrada, die im Januar 1918 einen Separatfrieden mit den Mittelmächten schloss, stand der im Dezember 1917 in Charkiw konstituierten prosowjetischen Regierung im Machtkampf gegenüber. 1917 wurde die Ukrainische Sowjetrepublik proklamiert, die sich durch den Bürgerkrieg 1918/1919 in eine Ukrainische Nationalrepublik verwandelt und 1922 endgültig an die UdSSR angeschlossen wurde.

 

Im März/April 1918 besetzten deutsche und österreichisch-ungarische Truppen die Ukraine (bis Dezember). Nationalkonservative errichteten mit der Unterstützung das Hetmanat wieder. Bei dessen Sturz bildete sich im November 1918 das kurzlebige entente-freundliche Direktorium unter Petljura. Die im Februar 1919 in Kiew einziehenden Bolschewiki, die schon im Januar 1919 die Ukrainische SSR proklamiert hatten, wurden nur noch vorübergehend von Truppen Denikins und im Mai und Juni 1920 von den Polen verdrängt.

Im Frieden von Riga (1921) musste aber das zeitweise schon sowjetische Galizien (West-Ukrainische Volksrepublik) Polen überlassen werden. In der 1922 an der Gründung des Sowjet beteiligten Ukrainischen SSR kam es 1932-1933 durch die Zwangskollektivierung unter Stalin zu einer schweren Hungersnot (4 bis 6 Millionen Opfer). 1934 wurde die Hauptstand der Ukrainischen SSR von Charkiw nach Kiew verlegt. Die stalinistischen "Säuberungsaktionen" erreichten hier wie überall in der UdSSR 1937-1938 ihren Höhepunkt (Auslöschung eines Großteils der politischen und wissenschaftlich-kulturellen ukrainischen Elite). 1938-1949 (mit Unterbrechung) führte der Russe Chruschtschow die ukrainische KP-Organisation.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges vereinigte die sowjetische Regierung 1939 die West-Ukraine wieder mit der Ukraine. 1940 wurde die Bukowina Teil der USSR. Nach dem deutschen Angriff auf die UdSSR (22.6.1941) war die Ukraine bis Anfang 1944 eines der Hauptkampfgebiete. Sie erlitt starke Zerstörungen sowie hohe Verluste an Menschen. Insbesondere zu Beginn der Besatzungszeit kollaborierte ein Teil der ukrainischen Bevölkerung – unter dem Eindruck des stalinistischen Terrors der vorangegangenen Jahre und in der Hoffnung, sich mit deutscher Hilfe von Sowjetrussland lösen zu können – mit den deutschen Besatzungsbehörden.

In der Schlucht von Babyjar ermordete im September 1941 eine Einsatzgruppe der SS 33.000 Juden. Der größte Teil der ukrainischen Juden fiel in der Folgezeit dem Holocaust zum Opfer.

Während der national-sozialistischen Herrschaft (1941-1944) war Galizien dem Generalgouvernement angegliedert. Die Bukowina, Bessarabien und die Dnjestr-Region überließ man dem rumänischen Verbündeten Deutschlands.

Der größte Teil des Landes wurde jedoch zum "Reichskommissariat Ukraine" erklärt. Die brutale deutsche Okkupationspolitik rief auch bald den ukrainischen Widerstand hervor (1942 Gründung der „Ukrainischen Aufstandsarmee“, die aber ebenso gegen kommunistische Partisanen und die Rote Armee sowie die polnische Bevölkerung kämpfte und anschließend bis in die 1950er-Jahre einen aussichtslosen Untergrundkrieg gegen die Sowjetmacht führte. 1943-1944 eroberte die Rote Armee die Ukraine zurück.).

1945 war die Ukraine Gründungsmitglied der UNO. Im selben Jahr trat die Tschechoslowakei die Karpato-Ukraine an die UdSSR ab, die dieses Gebiet 1946 als Transkarpatien mit der Ukrainischen SSR vereinigte. Zwischen 1944 und 1946 wurden bei gleichzeitiger Aussiedlung eines großen Teils der polnischen Bevölkerung (überwiegend in die ehemaligen deutschen Ostgebiete) etwa 500.000 Ukrainer von Polen in die West-Ukraine umgesiedelt.

Im Winter 1946/1947 war die Ukraine noch einmal von einer schweren Hungersnot betroffen (Zehntausende Opfer). Im Zeichen eines Kampfes gegen den "bürgerlichen ukrainischen Nationalismus" setzten 1946 neue stalinistische "Säuberungen" ein. Im Rahmen einer Sowjetisierung der West-Ukraine wurde dort 1947-1951 die Landwirtschaft zwangskollektiviert, begleitet von der Deportation mehrerer Hunderttausend Ukrainer nach Sibirien, und zugleich wurden Russen angesiedelt.

1954 trat Russland (RSFSR) die Krim an die Ukraine ab.

Seit den 1950-er Jahren wechselten in der Ukrainischen SSR Phasen einer liberalen sowjetischen Nationalitätenpolitik und Ukrainisierung mit politischen "Säuberungen" und Russifizierungstendenzen ab.

In den 1960-er Jahren formierte sich eine ukrainische Oppositionsbewegung mit national-kulturellen, aber auch allgemein-politischen Förderungen. Verstärkt wurde sie durch eine religiöse Opposition in der West-Ukraine (Wirken der verbotenen Griechisch-Katholischen Kirche im Untergrund). Versuche des ab 1964 als ukrainischem KP-Vorsitzenden amtierenden Petro Schelest, ukrainische Interessen stärker gegenüber der Zentrale in Moskau zu betonen, endeten 1972 mit seiner Absetzung. Im Januar und Februar 1972 herrschte die Repressionswelle in der Westukraine; namhafte Regimegegner, darunter Iwan Dzjuba, wurden inhaftiert.

Der Reaktorunfall im Kernkraftwerk Tschernobyl am 26.04.1986, vor allem aber die Verharmlosung der Katastrophe und die verantwortungslose Verschleppung notwendiger Gegenmaßnahmen führten in der Ukraine zur Kritik an den sowjetischen Behörden.

Ende der 1980er-Jahre verstärkten sich in der Ukraine die Unabhängigkeitsbestrebungen (getragen vor allem von der Volksbewegung "Ruch"). Nachdem die Ukraine bereits am 16.7.1990 ihre Souveränität innerhalb der Sowjetunion erklärt hatte, proklamierte sie unter Parlamentspräsident L.Krawtschuk am 24.8.1991 ihre Unabhängigkeit und verbot die Tätigkeit der KP (1993 wieder zugelassen). Im Dezember 1991 wurde Krawtschuk zum Staatspräsidenten gewählt. Im selben Monat gründete die Ukraine mit Russland und Weissrussland die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, in der sie sich gegen russisches Vormachtstreben wandte (u.a. Auseinandersetzungen um die Schwarzmeerflotte und die Krim, 1997 beigelegt).

Am 21. November 2004 fand die Orangene Revolution statt - nach der Stichwahl der Präsidentschaftswahlen wurde Viktor Janukowitsch zunächst zum Sieger erklärt. Für die Opposition war dies ein Zeichen für den Beginn des offenen Widerstands. Am 27. November 2004 versammelten sich 1,5 Millionen Menschen im Zentrum Kiews und forderten die Wiederholung der Wahlen. Am 26. Dezember 2004 wurde Viktor Juschtschenko mit 51,9 % der Stimmen Sieger bei der durch das Oberste Gericht angeordneten Wiederholung der Stichwahl.

Am 25. Februar 2010 konnte sich Viktor Janukowitsch in der Stichwahl gegen Julia Timoschenko durchsetzen und wurde der 4. Präsident der Ukraine.